Sprache vermittelt der Abgrenzung illusionäre Dauer

Die Sprache ist eine nach außen gerichtete Fiktion. Sie wird von anderen vermittelt, sie bildet Gemeinschaft, sie produziert Dauer – doch all dies gehört letztlich in den Bereich der Illusion. Etwas verharmlosend könnte man sagen: Die Sprache lehrt von Kindheit an zu schlafen und zu träumen.

Aus anthropologischer Sicht lässt sich eine gewisse Negativität der Sprache nicht verleugnen: sie stellt die primäre Konvention dar, darf unter Umständen als das Absolute bezeichnet werden und ist doch nichts weiter als eine Auslagerung in die Illusion. Sie verlangt deshalb einigen guten Willen, soll die immanente Destruktivität ausgeglichen werden, und dieser gute Wille müsste zu einer Grundhaltung werden, solange sich der Mensch auf dem Weg zu seiner Natur befindet.

Obwohl die Sprache das Kommunikationsinstrument schlechthin ist, setzt sie den Menschen auf einen Ding-Status herab, was auf die in Worten implizierte Dauer zurückgeht. Und sie grenzt ein Ding vom anderen ab, ohne diesen Vorgang zu legitimieren. – Dadurch wird wohl auch die Voraussetzung für menschliches Besitzstreben geschaffen.

Dennoch ist der Mensch nicht an die Sprache gebunden. Sie verschlüsselt seine Wirklichkeit, ohne diese umgekehrt beschreiben zu können. Eine Person kann über die Sprache hinausgehen und findet sich dann in ihrem Inneren wieder.