Emotionen sind der tragende Grund der Konventionen

Wenn man, wie im vorangegangenen Abschnitt, den Tod als etwas Positives begreifen darf, geht damit ein Gefühl der Bescheidenheit einher: das Leben relativiert sich, man könnte sich das Bewusstsein als einen unglaublich vielfältigen, unendlichen Raum vorstellen, aus dessen Sicherheit und Geborgenheit man durch keine Macht der Welt herausgerissen werden kann. Und damit greift dann auch eine etwas veränderte Sicht auf die Dinge eben dieser Welt Platz und die persönlichen Prioritäten könnten sich ein wenig verschieben.

Das menschliche Leben wird durch Konventionen gestaltet, wobei hier unter Konvention im weitesten Sinn eine gültige Übereinkunft inklusive deren materiellen oder ideellen Folgen verstanden wird. So betrachtet, ist alles Konvention, was von Menschen geschaffen wird, insbesondere auch die Sprache. Diese stellt den Schnittpunkt von Persönlichem und Allgemeinem dar.

Die Sprache konstituiert das Bewusstsein und gibt dem Menschen implizit die Verantwortung für seine ganz persönliche Welt, für sein Sprechen und Handeln. Er wird dadurch jedoch nicht überfordert, sondern es stellt sich lediglich die Gleichung heraus, dass sein Bewusstsein umso „besser“ ist, je näher die Sprache „an der Natur“ ist.

In diesem Zusammenhang tritt dann auch die Bedeutung der beiden Emotionen Angst und Stolz hervor: diese bilden die wesentlichen Strukturen des Unbewussten, sind jedoch nur wirksam, wenn sie auf Lüge basieren. Sie werden transparent und eingeschränkt, wenn das Bewusstsein auf den jeweils gegenwärtigen Zeitpunkt fokussiert ist. Letztlich wird dadurch die durch die Sprache suggerierte Dauer zur Illusion.